Kindern liebevoll Stopp sagen – geht das überhaupt?

Kinder brauchen Grenzen oder Eltern brauchen Grenzen?

Wenn ich mit den Eltern in meinen SpielRäumen spreche, dann ist es oft ein Thema: Grenzen setzen.

Wann soll ich meinem Kind Grenzen setzen? Darf ich überhaupt Grenzen setzen? Was ist, wenn ein Bedürfnis des Kindes dann übergangen oder nicht erfüllt wird?  Diese Fragen stellen sich viele Eltern, insbesondere die ihre Kinder bedürfnis- und beziehungsorientiert erziehen wollen.

Wer braucht eigentlich Grenzen: „Kinder oder Eltern?“

Tatsächlich sagte der bekannte Familientherapeut Jesper Juul. „Nicht Kinder brauchen Grenzen, Eltern brauchen Grenzen.“ Es ist demnach von Bedeutung, dass Eltern lernen, auf ihre eigenen Grenzen zu achten. Und es ist die Verantwortung der Eltern, diese zu wahren.
Grenzen setzen heißt also nicht das Kind zu begrenzen, sondern meine Grenzen als erwachsene Person, als Elternteil zu ziehen.

Bei Babys im ersten halben Jahr und wahrscheinlich auch darüber hinaus, gehen Eltern – und hier vor allem die Mütter – sehr häufig über ihre Grenzen hinweg, was beispielsweise das eigene Schlafbedürfnis betrifft. Meist ist ein gewisser Leidensdruck erforderlich, der dann dazu führt, dem Kind zuzutrauen und zuzugestehen, dass die gemeinsam etablierten Einschlafgewohnheiten überdacht und altersgemäß verändert werden.  Hier spreche ich keinesfalls davon, das Kind bei seiner Lernaufgabe, mit der Zeit alleine einzuschlafen, sich selbst zu überlassen. Natürlich braucht diese Veränderung die Begleitung des Erwachsenen. Aber es sind die Eltern, die diese Veränderung anstoßen, und es ist im Wesentlichen das Zutrauen und zuversichtliche Begleiten dieser neuen Situation, die letztendlich für alle Erleichterung bringen wird.

Generell ist es nicht immer einfach für Eltern, ihre Grenzen klar wahrzunehmen und zu erkennen. Dies erfordert Hineinspüren, Übung und auch Flexibilität. Allerdings bietet die Kleinkindzeit unserer Kinder ein ideales Übungsfeld für die Eltern.

Ein wichtiger Teil in der Entwicklung von Kleinkindern besteht darin, ihren Willen und ihre „Power“ zu erproben und dabei ihre Eltern und deren Reaktionen bzw. auch deren Grenzen kennenzulernen. Das ist eine ihrer Aufgaben und ein gesunder und wichtiger Schritt auf dem Weg zu ihrer Autonomie.

Für das Kind ist es sehr hilfreich, wenn es die Gewissheit hat, dass die Eltern diese kindliche Kraft gut bändigen können. Wenn es gelingt, ruhig mit den manchmal herausfordernden Situationen umzugehen, kann dies dem Kind wertvolle Lernerfahrungen schenken. Ihm wird zudem das Gefühl der Sicherheit vermittelt, dass es bei seinen Eltern gut aufgehoben ist und diese gut auf das Kind und seine Bedürfnisse achten. So kann auch die Beziehung zum Kind gestärkt werden.

Viele Grenzen sind persönliche Grenzen, die von den Erwachsenen unterschiedlich gehandhabt werden. Ein Beispiel ist das Betreten der Wohnung mit Schuhen. Bei den Großeltern ist es beispielsweise erlaubt, Im Elternhaus zieht man die Schuhe in der Garderobe aus. Selbst junge Kinder können diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen relativ rasch akzeptieren und verinnerlichen.

Ein weiteres Beispiel – das gemeinsame Essen am Tisch:  Das 1 1/2 jährige Kind sitzt mit uns beim Abendessen beim Tisch, möchte aber aufstehen und mit den verschmierten Fingern und Essen im Mund herumlaufen. Es ist uns noch nicht ganz klar, ob es bereits satt ist. Wir können das Kind fragen, ob es noch hungrig ist. Das Kind verneint. „Ok, du hast gesagt, dass Du nicht mehr hungrig bist. Hier ist der Waschlappen, mit dem wische ich Dir die Finger und den Mund ab, dann kannst Du herumlaufen.“  Das Kind kommt wieder und möchte im Vorbeigehen noch ein Stück Kartoffel vom Teller haben. „Ich dachte eigentlich du bist nicht mehr hungrig. Wenn Du noch was magst, setz dich bitte wieder in deinen Stuhl. Wir essen nur beim Tisch. Hier können wir freundlich aber bestimmt drauf bestehen, dass es nur beim Tisch sitzend noch einen Nachschlag gibt.“

Wenn das Kind noch ein wenig älter ist, kann man auch feststellen, nachdem man gefragt hat. „Ok, du hast gesagt, du bist fertig, dann räume ich Deinen Teller jetzt weg.“ Das Kind kann die Konsequenzen dann bereits verstehen. Ob es sie akzeptiert, hängt vermutlich ein wenig vom Temperament ab. Es kann auch sein, dass es doch noch ein wenig hungrig war. Dann wird es bei der nächsten Mahlzeit etwas mehr essen. Man kann dies auch bestätigen. „Dieses Mal ist das Essen für Dich beendet. Und beim nächsten Mal kannst Du ganz viel essen.“

Noch ein Beispiel wie Kinder aktiv Grenzen testen, und Erwachsene dies freundlich und indirekt beantworten: Das dreijährige Enkelkind sitzt am Tisch und malt mit Buntstiften Striche auf ein Blatt Papier. Es hat bereits Erfahrung mit dem Zeichnen und weiß, dass es auf dem Papier malen sollte und nicht auf dem Tisch. Es zieht nun den Strich immer länger, bis er auf dem Tisch malt und sieht den Opa erwartungsvoll an. Dieser spürt zwar die Herausforderung des Kindes, geht aber nicht direkt darauf ein. Durch seine sachliche Ansage: „Das müssen wir abwischen. Weißt Du, man soll auf dem Papier malen, nicht daneben, sonst wird der Tisch ganz bunt. Wir können eine Zeitung unter dein Papier legen, wenn Du noch malen magst.“ Kann das Kind kann sein testendes Verhalten wieder aufgeben und weitermalen, weil es spürt, dass der Großvater nicht ärgerlich wird. Wenn er aber weiter auf dem Tisch malen würde, könnte der Opa das Malen auch beenden und eine andere Tätigkeit anbieten.

Hast Du noch Fragen zum Thema liebevoll Grenzen setzen? Kontaktiere mich gerne.

 

Nächtliches häufiges Aufwachen – und wie man aus dieser „Nummer“ wieder rauskommen kann

Kürzlich wurde ich von einer Mutter gefragt, wie es gelingen kann, dass ihre Tochter (11 Monate) nicht stündlich aufwacht, dann kurz an der Brust trinkt, wieder einschläft, wieder aufwacht, trinkt und so weiter.

Hier hat sich offenbar ein Muster gebildet. Auf mein Nachfragen erfuhr ich, dass das Mädchen meist nicht völlig wach wird, sondern nach einigem Saugen an der Brust wieder in den Schlaf gleitet. Manchmal trinkt es wirklich mehr, aber auch da hat die Mutter nicht den Eindruck dass es ganz wach ist. Wenn das Baby nicht gestillt wird, wacht es vollständig auf und beginnt zu schreien. Aus diesem Grund gab die Mutter bislang immer die Brust, damit alle wieder schlafen können – zumindest für kurze Zeit.

Dass dies anstrengend und zehrend ist, können wir alle nachvollziehen, denn seit der Geburt ist nun beinahe ein Jahr vergangen und es gab kaum längere durchgängige Schlafenszeiten des Mädchens.

Es ist zunächst einmal absolut verständlich, dass das Beruhigen durch das Stillen eine übliche Vorgehensweise ist, was viele Mütter tun. Es ist eine hilfreiche, rasch wirksame Antwort auf das Schreien unseres Babys, besonders nachts.

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Wie können Kinder lernen, sich zu konzentrieren – von Beginn an

Wenn nun wieder die Schule beginnt dann geht auch die Zeit wieder los, in der von unseren Kindern einiges an Kompetenzen erwartet wird. So zum Beispiel, dass sie eine möglichst lange Aufmerksamkeitsspanne haben, geduldig zuhören können, bei einer Sache bleiben können, schwierige Probleme lösen können und nicht sofort aufgeben. Wir wünschen uns, dass das Kind eine gute Konzentrationsfähigkeit hat und  gerne und freudvoll lernt.

Besonders die ersten Lebensjahre eines Kindes sind prägend für die Entwicklung von Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit.

Was gibt es für Möglichkeiten, die Aufmerksamkeitsspanne eines Kindes zu fördern – und zwar von Beginn an:

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Warum junge Kinder kein Sauberkeits-(Toiletten)training brauchen und was wir stattdessen tun können

Der  Sommer ist  eine Jahreszeit, in der viele Eltern hoffen, dass die Kinder, wenn sie im Freien ohne Windel sein können, die Kontrolle über ihre Ausscheidung erlangen. Das kann funktionieren, es sollte aber keine übertriebene Erwartungshaltung der Eltern in diese Richtung sein.
Kinder brauchen keine Erwachsenen, die sie darin trainieren, die Toilette zu benutzen. Was sie brauchen sind zugewandte, wache Eltern oder Bezugspersonen, die den Prozess des „Sauberwerdens“ unterstützen und erleichtern, ein Prozess, der bei jedem Kind individuell ist.Es gibt drei Faktoren die notwendig sind für den Prozess des Sauberwerdens

Physische Voraussetzung: Das Kind verfügt über die körperliche und muskuläre Fähigkeit der Blasen- und Stuhlkontrolle.

Kognitive Voraussetzung: Das Kind versteht den Harn- und Stuhldrang, kann das Gefühl mit der Aktion in Verbindung bringen. Dabei macht uns das Kind häufig deutlich. „Ich mache jetzt“. Es muss jedoch nicht bedeuten: „Ich will aufs Töpfchen.“

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